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Wie neu: Stadt präsentiert die Theodor-Heuss-Realschule
In den Osterferien zieht die Theodor-Heuss-Realschule von den Standorten Heinrich-Lübke-Straße 140 und Montanus-Realschule zurück in die sanierten Gebäude am Wiembach. Bevor dort der Schulbetrieb wieder losgeht, führten Andrea Pesch, stellv. Fachbereichsleiterin, und Projektleiterin Katharina Hellmann vom Fachbereich Gebäudewirtschaft durch die sanierten Bauten und erläuterten was die wesentlichen Neuerungen sind und worin die größten Herausforderungen bei der Sanierung lagen.
Schon vor dem Haupteingang wird die augenfälligste Neuerung deutlich: Denn auf einem Flügel des Gebäudes von 2003 erhebt sich ein ganz neues Stockwerk in Holzbauweise mit Gründach; eines, das aussieht, als sei es schon immer da gewesen. Zwei Herausforderungen der Sanierung werden damit auf einen Blick sichtbar. Zum einen musste die gesamte Haustechnik aus Hochwasserschutzgründen in die höheren Etagen verlagert und die dort entfallenden Räume, als Aufstockung kompensiert werden. Zum anderen musste die durch Hochwasser beschädigte Bausubstanz im Unter- und Erdgeschoß erneuert werden.
Der „Neubau“ von 2003 der Theodor-Heuss-Realschule wurde aufgrund der starken Flutbeschädigung aus Juli 2021 im Wiederherstellungsprozess bis auf die Grundstrukturen zurückgebaut und aus dem Rohbauzustand wiederaufgebaut. Des Weiteren wurden aufgrund der hochwassersicheren Verlegung der Haustechnik Grundrissänderungen und gleichzeitig Anpassungen an aktuelle Brandschutzanforderungen vorgenommen. Die unteren zwei Ebenen (UG und EG) sind überdies mit diversen Schutzmaßnahmen wie Bitumenabdichtung, hydrophobe Baustoffe, Vermeidung bodengeführter Installationen, hochwasserangepasste Laborausstattung etc. ausgestattet, um bei einem eventuell erneuten Flutereignis die Schäden und sanierungsbedingte Schulausfallzeiten zu minimieren.
Die komplette Verwaltung, Aula, Lehrerzimmer, Schulsozialräume, Cafeteria, Schulbibliothek und naturwissenschaftliche Räume wurden zukunftsorientiert saniert, so dass der Schulkomplex mit neuer Photovoltaikanlage auf dem Dach, wasserspeicherndem Gründach, energiesparender LED- Technik nachhaltig betrieben werden kann. „Neubau“ und Dreifachsporthalle werden in Zukunft durch Geothermie beheizt. Bei Spitzenauslastung kann die vorhandene Gasheizung weiterhin zugeschaltet werden. In der Dreifachsporthalle wird zukünftig eine Technikzentrale für beide Gebäude installiert, die mittels gekoppelter Wärmepumpen und neuster verbauter Technologien sich weitestgehend loslöst von fossilen Brennstoffen und das Sondenfeld als regenerative Energiequelle nutzt. Es wird nach Fertigstellung der Anlage mit einer Einsparung von mehr als 25 Tonnen an CO2-Äquivalenten pro Jahr gerechnet.
"Die Schule ist, was die Technik und Ausstattung angeht, derzeit das modernste Schulgebäude Leverkusens“, betont Andrea Pesch, „wir haben alles nach dem neuesten Stand der Technik saniert.“ Dazu gehören auch: Hochmoderne digitale Tafeln, naturwissenschaftliche Räume auf dem neuesten Standard, effiziente Akustikmaßnahmen und neue digitale Ausstattungen.
Hochwasser hatte die Substanz geschädigt
Die Schulgebäude an der Wiembachallee waren im Juli 2021 durch das Hochwasser massiv geschädigt worden. Im Altbau stand das Kellergeschoss unter Wasser, das Erdgeschoss war bis auf rund 30 Zentimeter Höhe überschwemmt. Im Altbau wurden Fachräume, die Werkstatt, die Mensa, die Hausmeisterwohnung, die technischen Anlagen und EDV durch Flutwasser geschädigt. Auch im Neubau lag der Keller vollständig unter Wasser. Noch im Erdgeschoss stand das Wasser bis rund 1,60 Meter hoch, was dazu führte das ca. 50 Prozent der Gebäudefläche wiederhergestellt werden mussten. Sämtliches Mobiliar und Akten waren unbrauchbar geworden. Allein die Trocknung im Untergeschoss erwies sich bei Sanierungsbeginn als Sisyphusarbeit, weil das Wasser immer weiter nachlief. Es stellte sich dann heraus, dass durch die Flut in der Bodenplatte Risse entstanden waren und auch die Grundleitungen darunter beschädigt waren. Die Grundleitungen mussten aufwändig mit Kameras untersucht, teilweise stillgelegt bzw. innenseitig zusätzlich gelinert werden. Die wasserdruckbedingten Risse in Bodenplatte und Außenwänden wurden mehrfach aufwändig verpresst.
Die angrenzende Turnhalle musste wegen der großen Schäden komplett abgerissen werden. Die Bauarbeiten für einen neue Dreifach-Sporthalle beginnen voraussichtlich im dritten Quartal 2025. Weil ein ausreichender, mindestens fünf Meter breiter Abstand zum Bestandsgebäude eingehalten werden muss, ist das Baufeld für das neue Gebäude sehr begrenzt. Daher wurde entschieden, den Trakt mit den Nebenräumen zweigeschossig auszubilden. Obergeschoss und oberer Hallenbereich werden mit Holz verschalt. Das Erdgeschoss und der untere Hallenbereich werden analog zum Schulgebäude mit robusten Faserzementplatten verkleidet. Die Halle wird dann wie der Neubau mit Geothermie versorgt. Die dafür in den Außenanlagen notwendigen 53 Tiefenbohrungen wurden bereits vorbereitend vor Schulrückzug fertiggestellt.
Die aktuelle Kostenfortschreibung des Wiederaufbaus im Alt- und Neubau beträgt rund 16 Millionen Euro. Hinzu kommen die Kosten der vorgesehenen Aufstockung des Hauptgebäudes in Höhe von 2,7 Millionen Euro und die Kosten für den Wiederaufbau der Sporthalle als Dreifach-Halle in Höhe von rund 14 Millionen Euro. Die Maßnahme wird zu 100 Prozent durch die Wiederaufbauförderung nach der Flut gefördert. Die Förderung der Sporthalle erfolgt jedoch nur zu 70 Prozent, da die zurückgebaute Zweifachhalle durch eine Dreifachhalle ersetzt wird. Der zusätzliche Hallenteil wird durch die Stadt Leverkusen im Rahmen von 30 Prozent der Gesamtkosten der Halle finanziert.